Siemens Biodiversity Blog

Montag, 15.07.2024  Biodiversität

Zielarten fördern, invasive Arten kontrollieren


Das Geheimnis einer schönen Wildblumenwiese liegt in ihrer Vielfalt. Um diese zu fördern, ist die richtige Pflege unerlässlich.


Im Frühjahr haben wir daher die Wiesen wieder gemäht, somit hatten alle Pflanzen das gleiche Licht und die gleiche Chance, als das jährliche Austreiben und Wachsen begann. In der „wilden“ Natur sorgen pflanzenfressende Säugetiere, die ganzjährig grasen, für einen ähnlichen Effekt.


Zusätzlich haben wir nachgepflanzt, um gezielt einige Arten anzusiedeln, die sich bisher nur zaghaft etabliert haben, wie beispielsweise die purpur leuchtende Kartäusernelke.


Im Sommer haben wir stark wuchernde, invasive Pflanzen entfernt. Diese Pflanzenarten sind extrem konkurrenzstark und breiten sich schnell und dominant aus. Dadurch verdrängen sie viele konkurrenzschwache Arten. Meist handelt es sich um neu angesiedelte Pflanzen ohne natürliche Fressfeinde. Oder es sind robust gezüchtete Pflanzen, die dominanter sind als die vielen Wildpflanzen, die sich über Jahrtausende aneinander angepasst haben und die Grundlage für ein ausbalanciertes Ökosystem mit hoher Vielfalt bilden.

Problemfall Luzerne

Am Standort Kiefholzstraße kontrollieren wir derzeit vier Pflanzenarten, um das vielfältige Biotop zu erhalten. Der Götterbaum, ursprünglich als Zierpflanze gepflanzt, gilt mittlerweile als stark invasiv, ebenso wie das Kanadische Berufkraut. Auch der Sauerampfer und die Luzerne breiten sich stark aus.


Besonders die Bastard-Luzerne (Medicago x varia) dominiert und verdrängt andere Pflanzenarten. Sie ist eine Kreuzung aus violetter Saat-Luzerne und gelbem Sichelklee (gelbe Luzerne).


Luzernen werden bis zu 1 Meter hoch und können bis zu 30 Jahre alt werden. Sie sind die ältesten bekannten Futterpflanzen und spielen auch heute eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft. In Symbiose mit Bakterien reichern sie Stickstoff in ihren Wurzeln an. Diese Wurzeln bilden ein bis zu 5 Meter tiefes und weites Netzwerk (Rhizom), aus dem neue Pflanzen keimen können. Luzernen sind äußerst trockenresistente Pflanzen, die auch für viele Bienen und Schmetterlinge Nahrung und Brutstätte bieten.


Durch den Platz, den sie beanspruchen, sind sie für die Biodiversität in der Stadt leider zum Problem geworden.



Hier gibts mehr über die Invasion der Luzernen in Berlin.

Montag, 25.03.202Biodiversität

Von Bienchen, Blümchen und uns Menschen

Pflanzen und Insekten haben über Jahrmillionen hinweg ein ausgeklügeltes System entwickelt, bei dem alle voneinander profitieren. Blütenpflanzen bieten im Inneren ihrer Blüte süßen Nektar, der Insekten anlockt und ihnen als Nahrungsgrundlage dient. Beim Nektar sammeln verbreiten Insekten gleichzeitig Blütenpollen, die Pflanzen zur Fortpflanzung verhelfen. Unser Leben hängt, wie auch das Leben aller anderen Säugetiere, an diesem Bestäubungssystem. Bienen bilden dabei die wichtigste Bestäubergruppe.


Fast 80 % unserer wichtigsten Kulturpflanzen sind vollständig von Bestäubung abhängig. Allein in Deutschland beträgt der monetäre Wert der Insekten-Bestäuberleistung etwa 2,5 Milliarden Euro. Dabei wird nur ein Drittel aller Pflanzen nachweislich von Honigbienen bestäubt. Der Rest geht auf das Konto von Wildbienen, die weitaus effizienter Blüten bestäuben als die von Menschen gezüchtete Honigbiene. Denn diese sammeln bei jedem Flug Nektar und Pollen und befruchten durch diese Sammelmethode viel mehr Blüten, als es die Honigbiene tut, die in erster Linie Nektar sammelt. 


Durch die starke Nutzung industrieller Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche kleinteilige und blütenreiche Lebensräume der Wildbiene zerstört. Schützen wir Wildbienen, schützen wir damit gleichzeitig auch unsere Lebensgrundlage.

Blütenvielfalt fördert
Wildbienenvielfalt

Je diverser eine Bestäubergesellschaft ist, desto höher ist die Stabilität, Quantität und Qualität der Bestäubung und damit normalerweise die Frucht- und Samenproduktion. Dabei können Honigbienen die Leistungen der Wildbestäuber nur ergänzen, aber nicht ersetzen.


Wildbienen sind oftmals oligolektisch, sogenannte Pollenspezialisten. Das bedeutet, dass ein Großteil der Wildbienenarten auf lediglich einer Pflanzenfamilie oder -gattung Pollen sammelt und diese bestäubt. Um den Erhalt und die Vielfalt von Wildbienen zu fördern, benötigt es daher Wildblumenwiesen mit diversen Pflanzenarten, die die Lebensgrundlage der wichtigen Bestäuber bilden.


Unterstütze Wildbienen mit der Saat und Pflanzung heimischer Wildblumen und -gräser und hilf so mit,  Wildbienenarten und ihre wichtige Ökosystemrolle zu erhalten.


Hier könnt ihr zu günstigen Konditionen, auch größere Mengen, heimisches Saatgut erwerben.

Montag, 26.06.202Umwandlung

Wildstauden und Insekten

Wildstauden für das Berliner Urstromtal

Interaktionen zwischen den unterschiedlichsten Akteuren, wie Boden, Pflanzen, Tieren erzeugen ein resilientes System.

Das haben wir mit dem neuen Staudenbeet am kleinen Eingang der Kiefholzstraße angelegt. Für das Berliner Urstromtal typisch ist ein sandiger, magerer Boden, der sich über die Jahrhunderte als Grundlage für viele heimische Blühpflanzen entwickelte. Diese nährstoffarmen Standorte sind ideal für blütenreiche Arten, wie Scabiosa columbaria. Sie können sich auf nährstoffreichen Böden kaum gegen konkurrenzstarke Arten, wie manche Gräser, durchsetzen. Der verbreitete Impuls, Blumenerde für ein blütenreiches Staudenbeet auszubringen, ist daher in Berliner Breiten leider eher kontraproduktiv für das Wachstum vieler heimischer Wildstauden. 

Um das Abmagern des Bodens zu erreichen, wurde die Grasnarbe entfernt und das Beet mit Sand sowie Natursteinschotter aufgefüllt. Die oberste Schotter- Schicht dient als sogenannte Mulchschicht, wodurch das Aufwachsen von Beikraut reduziert wird. Gleichzeitig hält diese Schicht die Feuchtigkeit im Boden für die gepflanzten Stauden zurück. 

Die beschriebenen Kreisläufe können nun hier im Beet stattfinden und ihr sie beobachten.

Scabiosa columbaria- Von der Roten Liste ins Staudenbeet

Die Tauben-Skabiose ist genau eine dieser Wildstauden, die unter anderem durch Überdüngung aus dem Freiraum verdrängt wurde. Laut der Roten Liste gilt diese Art mittlerweile als extrem selten in Berlin. 

Dabei ist diese Pflanze relevant für verschiedene Tiere und bildet mit ihnen einen Kreislauf aus Nahrung und Verbreitung. Von einer heimischen Wildstaude können bisweilen über 10 verschiedene Insekten profitieren. 

Konkret die Tauben-Skabiose betrachtet, bieten ihre Blätter Raupenfutter für beispielsweise den Goldenen Scheckenfalter. Der Pollen wird von verschiedenen Wildbienen gesammelt, wie von Skabiosen- Hosenbienen. Die nach der Blüte entwickelten Fruchtstände bieten heimischen Vögeln Nahrung, wodurch die Samen über größere Distanzen verbreitet werden. 


Wollt ihr noch mehr Pflanzen in der Umgebung entdecken? Hier könnt ihr euch kostenlos die App Flora Incognita herunterladen, die besonders für Wildpflanzen geeignet ist.


Donnerstag, 18.04.202Biodiversität

Frühblüher im Rasen, Staudenpflege und eine Frühjahrs-Wiesenmahd

Frühblüher zum Frühstück

Das Frühstücksbuffet nach dem Winterschlaf für Insekten ist eröffnet. Schneeglöckchen und Krokusse in weiß, violett oder gelb, bald gefolgt von Narzissen und Wildtulpen auf der Rasenfläche, bieten mit ihrem Nektar erste Nahrungsquellen für Insekten. Besonders völkerbildende Insekten, wie die langrüsselige Hummel, sind auf reichhaltige Frühblüher angewiesen. Daher haben wir 13 verschiedene Arten und Sorten im Herbst gesteckt, die sich jedes Jahr zu größeren Gruppen vermehren.


Wie können die Pflanzen so früh im Jahr austreiben? Sie werden in der Botanik Geophyten genannt. Denn sie ziehen sich nach der Blüte in ihr Lebensorgan, wie Zwiebel, Knolle oder Rhizom, unter die Erde zurück. Dort können sie die Energie das ganze Jahr über speichern, die sie über ihre Blätter gesammelt haben. Sobald sich die ersten Sonnenstrahlen im Januar zeigen, beginnt dann das Wachstum unter der Erde, bis sich die ersten Halme und irgendwann Blüten zeigen.

Staudenpflege

Im März bekamen die Stauden ihren Frühjahrsschnitt. Wenn sich die ersten Geophyten zeigen, werden die Triebe der Pflanzen abgeschnitten. Denn mit dem Abknipsen des Haupttriebes entstehen zwei neue Triebe. Der Mensch übernimmt mit dem Beschneiden die Arbeit von pflanzenfressenden Tieren.


Der Rückschnitt kann entweder im Frühjahr oder im Herbst erfolgen. Im Herbst hat eine Kappung der Triebe den Vorteil, dass Pflanzenkrankheiten und Schädlingen entgegengewirkt wird. Die Pflanzen sind jedoch besser vor Frost und Kälte geschützt, wenn sie ungeschnitten sind. Der Schnitt im Frühjahr ist nicht nur vorteilhaft für Pflanzen, sondern fördert auch die allgemeine Artenvielfalt im Ökosystem: Die Stängel bieten Möglichkeiten zur Überwinterung von Insekten und das Laub dient als Nahrung für Igel und Insekten. Vorfinden können diese dort unter anderem Regenwürmer, aber auch Spinnen, Käfer wie Marienkäfer, Asseln, Tausendfüßer, Springschwänze, Raupen und Falter.

Frühjahrs-Wiesenmahd

Die Mahd einer Wildblumenwiese simuliert die vor dem Anthropozän durch große Säugetiere stattgefundene ganzjährige Beweidung. Dabei kann bei der Mahd der Rasenmäher als eine Art motorisiertes Rind gesehen werden.

Pflanzen benötigen in erster Linie Licht und Wasser, um Kohlenstoffdioxid in Biomasse umzuwandeln. Bleibt die Mahd aus, wächst die Fläche mit schnell wachsenden Gräsern zu, sodass kein Licht mehr an den Boden dringt. Junge Wildblumen können dann aufgrund des Lichtmangels nicht mehr austreiben und Samen nicht mehr auskeimen. Durch die Mahd werden die schnell hochgewachsenen Gräser und Wildblumen immer wieder zurückgeschnitten, sodass Licht an die Erdoberfläche gelangen kann und die artenreiche Blumenwiese dauerhaft erhalten bleibt.

Außerdem werden die Pflanzen mit einer regelmäßigen Mahd animiert, ihre Blüten- und Samenproduktion zu verstärken, um sich weiterhin zu vermehren. Wir übernehmen also die Aufgabe der Pflanzenfresser und versorgen Insekten so das ganze Jahr über mit Nektar und Pollen.

Montag, 19.12.2022  |  Biodiversität

Auswertung des Pflanzenmonitorings 2022

Zwischen April und Juli fanden sogenannte Vegetationskartierungen auf den Wildblumenwiesen vor Gebäude 24, statt. Ziel war es, den Artenreichtum und die Anzahl der Blüten zu erfassen, um aus den Ergebnissen Rückschlüsse über die Qualität der Wiesen als Nahrungsquelle für Wildbienen zu schließen. Während der vier Vegetationskartierungen wurden insgesamt 104 Pflanzenarten aus 25 verschiedenen Pflanzenfamilien aufgenommen. Sieben der aufgenommenen Pflanzenarten gelten in ihrem Bestand als gefährdet. Die Gesamtartenzahl stieg von 33 Arten im April auf mehr als 50 Arten im Mai und bleibt auch im weiteren Verlauf hoch.  Zum Vergleich: Nach dem konventionellen Rasenmähen, bei dem die Pflanzen auf wenige Zentimeter heruntergeschnitten werden, liegt die Anzahl der Blüten auf der Grünfläche oftmals bei 0. Auch nach einer Woche blühen nur zwischen 2 und 7 Arten.

Welche Bedeutung haben die Ergebnisse für die Wildbienen?


In Nordeuropa sind vor allem oligolektische Bienenarten, d.h. solche, die nur an bestimmten

Pflanzenfamilien Nahrung suchen, in ihrem Bestand bedroht. Durch ihr Blütenangebot unterstützt die untersuchte Fläche insgesamt 27 der etwa 50 in Berlin vorkommenden spezialisierten Wildbienenarten, d.h. etwa 60 %. Im Gegensatz zu intensiv gepflegten Grünflächen, die meist nur eine begrenzte Zahl an Blütenpflanzen beherbergen, erweist sich diese Blühwiese als geeignete Maßnahme für die Förderung urbaner Biodiversität.


Hier könnt ihr den ausführlichen Bericht zur Vegetationskartierung lesen

Montag, 12.09.2022  |  Biodiversität

Nistplätze für Vögel

Ihr habt es vielleicht schon bemerkt, am Standort wurden in drei Bäumen Vogelbrutkästen aufgehängt.

Wer die Kästen im nächsten Jahr bewohnen wird, ist vor allem durch die Fluglochgröße bestimmt. Die aufgehängten Brutkästen sind für viele Meisenarten, sowie Kleiber und Sperlinge ausgelegt. 

Aber auch der immer seltener werdende Gartenrotschwanz fühlt sich in den Brutkästen wohl.


Vögel bilden einen wichtigen Teil der Artenvielfalt und sorgen für Vernetzung in Ökosystemen, da sie z. B. als Samentransporteure für die Verbreitung von Pflanzenarten einen wichtigen Beitrag leisten. 

Vögel sorgen zudem dafür, dass Insektenpopulationen im Gleichgewicht zu anderen Arten stehen und nicht zu Schädlingen werden. 


Leider sind viele Vogelpopulationen in Deutschland und Europa auf dem Rückzug. Besonders deutlich wird dieser Rückgang bei den Staren, einer Vogelart, die in Deutschland am häufigsten vorkommt. Dennoch ist ihr Bestand in den letzten 35 Jahren um ca. 55 % zurückgegangen. Ein Grund dafür sind die immer seltener werdenden offenen Landschaften, wie Weiden und Wiesen, auf denen Stare Insekten finden. 

Der Brutkasten im großen Götterbaum, direkt vor der Wasseraufbereitungsanlage, ist daher speziell für Stare gebaut


Die Brutkästen werden in den kommenden Monaten verwittern, was den Geruch der Kästen verändert und für Vögel ab dem Frühjahr zu attraktiven Nistplätzen macht. 


Übrigens: Hat ein Vogel den Nachwuchs ausgebrütet und nutzt das Nest nicht mehr, kommt es vor, dass ein weiteres Vogelbrutpaar, welches später im Jahr brütet, den Ort noch im selben Jahr für das Nest nutzt. Ab September sollten die Nisthilfen dann gereinigt werden, damit sie im Frühjahr wieder bezugsfertig sind.


Beim NABU findet ihr Tipps zum Bau von Vogelbrutkästen


Montag, 18.07.2022  |  Biodiversität

 Honigbienen zur Lindenblüte und Lebensraum Totholz

Wie bereits in den letzten Jahren standen zur Lindenblüte wieder Honigbienenvölker auf dem Betriebsgelände. Wenn die Lindenbäume in Berlin blühen, erzeugen sie ein so großes Angebot an Nektar, dass die Honigbienen sich bei ihrer Suche nach Nahrung fast ausschließlich auf die Blüten dieser Bäume fokussieren. In dieser Zeit kommt es zu wenig Futterkonkurrenz mit anderen wild lebenden Bienenarten in der Stadt. Sobald die Linde verblüht war und der Honig in den Waben etwas reifen konnte, hat der Imker seine Bienen wieder abgeholt und an ihre Winterstandorte in Brandenburg gestellt. 


Unser Imker Piet unterhält seine kleine Imkerei mit ungefähr 50 Bienenvölkern etwa 40 km südlich von Berlin. Piet ist bisher zufrieden mit dem Verlauf der Honigsaison. Wetterextreme, wie Dürren, späte Kälteeinbrüche oder Sturmschäden haben sich bisher in Grenzen gehalten. Allerdings musste er sich etwas beim Aufstellen der Völker beeilen, da die Lindenbäume dieses Jahr früher blühten als in den Vorjahren.

Lebensraum Totholz

Abgestorbene Äste und Bäume sind ein Paradies und wichtiger Lebensraum für viele Insekten. Auf den Wildblumenwiesen, vor Gebäude 24 liegen daher einige Baumstumpen, als Nist- und Nahrungsangebot. Viele Totholzspezialisten ernähren sich von dem Holz, nutzen es als Nistplatz, oder Baumaterial. Durch unsere aufgeräumten Nutzwälder ist der Lebensraum Totholz allerdings stark zurückgegangen. 


Es gibt aber seit einiger Zeit ein Umdenken. In manchen Berliner Parks und in den Stadtwäldern wird bewusst mehr Totholz liegen gelassen, um Insekten und andere gefährdete Tier-, Pflanzen- und Pilzarten zu fördern. Wenn ihr selbst einen Garten habt, könnt ihr in einer sonnigen Ecke, einen Baumstumpen, oder einen Baumstamm zum verrotten legen, um den Wildbienen und anderen Arten unter die Arme zu greifen. 


Beim NABU findet ihr weitere Infos

Donnerstag, 12.05.202Umwandlung

Frühjahrspflege, ein erstes Monitoring, grüne Dächer und ein artenreicher Eingangsbereich

Es ist Frühjahr, überall sprießt und blüht es bereits. Oben im Bild zu sehen, die Echte Schlüsselblume - Primula veris.


Nach einem erfolgreichen ersten Jahr gehen die Maßnahmen für Biodiversität und Artenvielfalt am Siemens-Standort Berlin, Kiefholzstraße, in die nächste Phase. Im Folgenden ein Überblick, was gerade passiert.

Erstes Pflanzenmonitoring

Wir haben mit einer Kartierung der Pflanzen auf den Wildblumenwiesen zwischen Gebäude 24 und 53 begonnen. Die Kartierung hilft uns, die heimischen Stauden zu bestimmen, die für viele in Berlin vorkommenden Fluginsekten eine wichtige Nahrungsgrundlage bilden.


Hierfür werden mehrere Kartierungsquadrate festgelegt und alle Pflanzenarten sowie ihre Anzahl auf einer Fläche von 2 x 2 Metern, erfasst. Bereits jetzt wurden 26 verschiedene Stauden gezählt.

Grünflächenpflege

Zum Auftakt der Saison haben wir vertikutiert. Beim Vertikutieren wird der Rasenfilz entfernt, sodass die jungen Pflanzen wie die hier wachsenden Wildstauden mehr Licht und Wasser bekommen.

Begrünte Raucherkabinen

Die Dächer der zwei Raucherkabinen bieten ab diesem Jahr zwischen Juni und September Pollen für die Blutbiene Sphecodes pellucidus und die Zwergharzbiene Anthidium strigatum.


Die Dächer der Kabinen wurden mit Gründachmodulen bestückt, auf denen Sedum, auch bekannt als Mauerpfeffer oder Fetthenne, wächst. Sobald das Sedum blüht, können die Bienen sich dort Pollen für ihren Nachwuchs holen.  Die Gründachmodule speichern zudem Wasser und haben eine isolierende Wirkung an heißen Tagen.

Artenreicher Eingangsbereich

Am Eingangsbereich Kiefholzstraße entstehen Wildstaudenbeete als weitere Futterhabitate für Wildbienen und andere Fluginsekten. Diese Maßnahme ist die Fortsetzung der naturnahen Gestaltung der Grünflächen am Standort, um die lokale Artenvielfalt zu unterstützen.


Tipp für den eigenen Garten: 

Wildbienen und andere heimische Insekten können mit immergrünen Pflanzen wie Buchsbaum, oder Heckenkirsche nicht viel anfangen. Schöne Alternativen zu den immergrünen Pflanzen sind heimische Gehölze wie Wildrosen und Weiden. 

Mittwoch, 16.06.2021  |  Biodiversität

Wildblumenwiesen Blütenpracht

Klatschmohn

Nickende Distel

Saat-Esparsette

Kornblume und Natternkopf

Es ist soweit! Die Wildblumenwiesen, die wir letztes Jahr am Standort in der Kiefholzstr. in Berlin angelegt haben, stehen in ihrer ersten Blüte und bescheren nun vielen Insekten Nahrung und Unterschlupf. Wer genau hinschaut, kann unterschiedlichste Wildbienen entdecken, wie z.B. Steinhummel und Riesen Blutbiene.

Besonders schön zu sehen sind auch die Vögel, die sich nun auf den Wiesen tummeln und ihrerseits wiederum Nahrung in den Insekten finden.

Wer mehr zu Wildbienen und wie man sie schützen kann erfahren möchte, sei der digitale Wildbienenlehrpfad ans Herz gelegt, den Swarmlab für die Deutsche Wildtier Stiftung entwickelt hat: www.wildbiene.org/wildbienenlehrpfad

Montag, 19.10.2020  |  Umwandlung

455 regionale Wildstauden für ein Blütenparadies

Von unserem Partner, der Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler, haben wir 455 Stauden, Gräser und 5 Gehölze geliefert bekommen. Es handelt sich ausschließlich um regionale Pflanzen. Wir haben sie in die Nähe der Aufenthaltsbereiche gepflanzt, um dort bereits im nächsten Jahr schon viele Blüten zu haben. Außerdem haben wir einige Stauden zusammen mit großen Gräsern rund um die neue Raucherkabine gesetzt, damit diese besser in die Landschaft integriert ist.

Die Pflanzen nutzen jetzt im Herbst alle Energie, um sich im Boden zu verwurzeln. Im Frühjahr werden sie dann in die Höhe schießen um ab Mai erste Blüten zu bilden. Jede zu ihrem Zeitpunkt. Wir sind gespannt!

Montag, 20.07.2020  |  Honigbienen

Gibt es Interesse an einem Honigbienen Workshop?

Wir möchten zusammen mit unserem Imker Piet euch einen Workshop zum Thema Honigbienen und die Imkerei anbieten. Um herauszufinden, ob und wie das am besten stattfinden könnte, haben wir eine Umfrage erstellt und würden uns sehr über Teilnahme freuen. Die Umfrage ist Anonym und dauert weniger als eine Minute!Bei Fragen könnt ihr uns gerne unter mail@swarmlab.org kontaktieren.

oder mit dem Smartphone QR-Code scannen um zur Umfrage zur gelangen.

Montag, 06.07.2020  |  Umwandlung

Pause - Boden setzen lassen und beobachten

Der vorbereitete Boden soll sich in den nächsten zwei Wochen setzen. Somit können wir auch sehen, welche unerwünschten Gräser und Kräuter sich auf den Flächen ausbreiten und eine geeignete Strategie festlegen.

Mittwoch, 01.07.2020  |  Honigbienen

Erste Bienenkontrolle

Piet baut die Bienenbehausung auseinander, um sich einen Überblick über die Bienenvölker zu verschaffen. 

Die Königin ist wohl auf. Sie erkennt man an ihrer Größe und spitz zulaufenden Körperform.

Piet guckt nach der Brut.

Die Bienen haben bereits so viel Lindenhonig gesammelt, dass Piet neue Honigräume (Holzkisten mit lehren Rähmchen) aufsetzt, um Platz für noch mehr Honig zu machen. 

Mittwoch, 01.07.2020  |  Umwandlung

Erste Schritte auf dem Weg zu Insektennisthilfen 

Sand

Wir schütten 30-50 cm ungewaschenen Sand mit geringem Lehmanteil auf. Der Sand sollte nicht zu fein sein, damit die von den Wildbienen gegrabenen Nester nicht einstürzen. Rund 70% der Wildbienen bauen ihre Nester im Boden. 

Totholz

Für die Nisthilfen verbauen wir Totholz, welches vielen Wildbienen einen Nistplatz bieten wird. Leicht morsche Stammstücke eignen sich besonders gut. Manche Wildbienen nagen Gänge in das Holz um dort zu brüten. Andere Wildbienen nutzen die bereits gebohrten Gänge von anderen Insekten. 

Freitag, 26.06.2020  |  Biodiversität

Gemeinsames Frühstücksbuffet

Hier sammeln Honigbienen und Wildbienen dicht beieinander Nektar vom Sedum (Fetthennen), der auf dem Dach von Gebäude 24 wächst. Die Wildbienen auf dem Dach müssen sich in der Nahrungssuche gegenüber den dort stehenden 60.000 - 100.000 Honigbienen behaupten. Hierdurch sieht so mancher Kritiker das Gleichgewicht zwischen Honig- und Wildbienen bedroht. Es gibt aber auch andere Stimmen. Mehr zu diesem Thema folgt im August.

Steinhummel (Bombus Lapidarius)

Westliche Honigbiene (Apis mellifera)

Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris)

Freitag, 26.06.2020  |  Honigbienen

Bienenwanderung

Der SIEMENS Mobility Standort in Alt-Treptow zählt seit dem 19. Juni zwischen 120.000 - 200.000 Honigbienen mehr. Unser Imker Piet hat 2 Bienenvölker auf dem Dach von Gebäude 24 und zwei Bienenvölker vor dem Gebäude aufgestellt.Im Laufe der Saison wandern manche Imker*innen mit ihren Bienenvölkern in die verschiedenen Blütentrachten, dabei hoffen sie auf einen höheren Honigertrag. Eine für diese Region typische Bienenwanderung ist beispielsweise vom im Frühjahr blühenden Raps auf Brandenburger Feldern zur im Juni und Juli blühenden Linde nach Berlin. Honigbienen sollten nur nachts, nach Sonnenuntergang gewandert werden, wenn sich alle Bienen zur Nachtruhe in der Beute (Bienenbehausung) versammelt haben. Unser Imker Piet verschließt vor jedem Bienentransport die Fluglöcher, damit keins der Insekten verloren geht. 

Montag, 22.06.2020  |  Umwandlung

rewilding culture! Altes entfernen um Neues zuzulassen

Wir wurden mehrfach angesprochen, warum wir eigentlich die Wildwiese entfernen um anschließend eine neue Wildwiese anzulegen.

Gute Frage!

Hier die Antwort: Die Wiese bestand zu einem großen Teil aus Rasen. Für Bestäuber ist Rasen eine uninteressante Vegetation, die  aus Gräsern besteht. Über die Jahre haben sich andere Wildpflanzen ausgesät, was in diesem Jahr besonders deutlich wurde, da erst im Sommer gemäht wurde. Dennoch, der hohe Rasenanteil auf den Flächen, würde eine Etablierung von Wildpflanzen zu sehr erschweren. Denn Rasen besteht aus Kulturpflanzen die darauf gezüchtet wurden, sich gegenüber anderen Pflanzen durchzusetzen. Um ein regionales Wilblumenbiotop zu etablieren, in dem auch nach vielen Jahren noch eine Balance vieler unterschiedlicher Arten herrscht (hohe Biodiversität), müssen wir daher den dominanten Rasen erstmal entfernen.

Hier einmal unsere Arbeit der letzten Wochen in einem Zeitraffer zusammengefasst.

Montag, 22.06.2020  |  Umwandlung

Anstrengende Vorarbeit für eine Oase der Vielfalt

Wir haben zwei Wochen harte Arbeit hinter uns, aber es wird sich lohnen! 

Mit dem Grassodenschneider haben wir die Grasnarbe direkt unter den Wurzeln abgeschnitten. 

Anita rollt die Grassoden auf und trägt sie zusammen

Am Ende werden wir ca. 24m3 Grassoden entfernt haben.

Sandlieferung. Viele Wildpflanzen wachsen besonders gut auf nährstoffarmen Böden. Wir magern daher mit Sand den Boden etwas ab. 

Dank Tim haben wir recht schnell die 16 Tonnen verteilt.

Mit der Gartenfräse haben wir den Sand in den Boden eingebracht.

 Die 16 Pferdestärken der Fräse waren an dieser Stelle wirklich hilfreich!

Montag, 15.06.2020  |  Projektvorbereitung

Wildheit zulassen! Ein Versuch

Wie ihr alle sicher gemerkt habt, wurden die Grünflächen seit Herbst 2019 nicht mehr "gepflegt". Manche stoßen sich daran, andere sind von Grund auf begeistert, wie wir gehört haben. Hier etwas zum Hintergrund: Grundsätzlich ist die Art der Grünflächenpflege eine Kulturangelegenheit. Für Viele bedeutet ein 5-12 Mal im Jahr gemähter Rasen z.B. Bewegungsfreiheit, Ordnung oder Kontrolle. Das kann sinnvoll und begründet, oder aber einfach eine Gewohnheit sein. In einer Zeit, in der Menschen im Verhältnis zu Wildtieren so viel Raum einnehmen das es u.U. dramatische Auswirkungen auf das Ökosystem hat (dazu an anderer Stelle mehr) lohnt es sich, diese Gewohnheit in Frage zu stellen. Fakt ist:

Ein halbes Jahr nicht zu Mähen war ein Test. Wir konnten hierdurch feststellen, dass sich bereits viele Wildpflanzen und Bestäuber auf einer seit Jahrzehnten regelmäßig gemähten Grünfläche angesiedelt haben. In den kommenden Jahren soll daher nur noch 1-2 Mal im Jahr gemäht werden.

Vegetation im Winterschlaf 2019/20

Die letzte Mahd hat im September 2019 stattgefunden.

Vegetation im Juni 2020

Während des Rundgangs über die Wiesen, die sich nun frei entwickeln durften, waren wir beeindruckt von all den Bestäubern, die bereits fleißig Pollen und Nektar von den Wildpflanzen sammeln. 

Die folgenden Pflanzenarten durften aus dem einfachen Grund wachsen, dass nicht mehr gemäht wurde! Wunder der Natur... In den kommenden Wochen gibt es von uns daher auch ein paar Tipps, was ihr in euren Gärten und Balkonen machen könnt, um mehr Leben zu unterstützen.

Magerwiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) Jeder kennt sie, und nahezu alle fliegen auf sie.

Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre) Mittagsschmaus für viele Bestäuber.

Gewöhnlicher Natternkopf  (Echium vulgare) Ein wichtiger Nektarlieferant für Wildbienen Spezialisten. 

Einfach nur wirken lassen! ...würden wir sagen :)

Montag, 15.06.2020  |  Information

Dachbegehung

Wir haben den Ort festgelegt, an dem die Bienen auf Gebäude 24 wohnen werden. Traumkulisse?

Montag, 15.06.2020  |  Information

Ein Biodiversitätskonzept für SIEMENS Mobility in Berlin

Hier kommt unser Plan für dieses Jahr! Wir sind schon unglaublich gespannt auf den Moment der Umsetzung. Wir haben wirklich alles berücksichtigt was man sich auf dieser Flächengröße wünschen kann. Es wird ein Fest für alles was kreucht, fleucht und natürlich die SIEMENS Mobility Belegschaft, für die eine Pausen-Oase entsteht, wenn wir fertig sind und Natur sich entwickelt hat.

SIEMENS start Info_12.07.2020
Montag, 15.06.2020  |  Information

Herzlich Willkommen!

Hallo und herzlich willkommen! Wir freuen uns darauf, an diesem SIEMENS Mobility Standort in den kommenden Monaten für mehr Artenvielfalt zu sorgen. Ziel ist es, den immer kleiner werdenden Lebensraum von heimischen Pflanzen, Insekten und Vögeln neuen Raum zu geben. Dieser Blog begleitet den gesamten Prozess der Umwandlung und hält spannende Geschichten und Tipps zum selbermachen rund um das Thema regionale Biodiversität bereit.

So findet ihr uns

In den kommenden Wochen sind wir häufig vor Ort. Ihr könnt uns grundsätzlich immer direkt ansprechen, wir freuen uns über euer Interesse! Außerdem werdet ihr auf Yammer regelmäßig Neuigkeiten zum Projekt finden. Auf den Infotainment Bildschirmen haben wir einen eigenen Punkt im Tortendiagramm. Baustellenschilder mit QR Codes, die ihr mit dem Smartphone fotografieren könnt, führen zu diesem Blog.